In der Ansparphase spielt es für das Endergebnis kaum eine Rolle, in welchem Jahr ein Kurseinbruch stattfindet — am Ende zählt vor allem die durchschnittliche Rendite über den gesamten Zeitraum. Sobald regelmäßig Geld entnommen wird, ändert sich das grundlegend. Dann entscheidet nicht mehr nur, wie hoch ein Einbruch ausfällt, sondern vor allem, wann er passiert.
Der Mechanismus dahinter
Wer in fallenden Kursen Kapital entnimmt, verkauft zwangsläufig mehr Anteile als in einer ruhigen Marktphase, um denselben Euro-Betrag zu erhalten. Diese Anteile fehlen dann, wenn sich der Markt später erholt — sie können die Erholung nicht mehr mitmachen, weil sie bereits verkauft wurden. Ein Einbruch früh in der Entnahmephase trifft ein Depot deshalb überproportional hart, während derselbe Einbruch Jahre später, wenn das Vermögen bereits gewachsen ist, deutlich glimpflicher verläuft.
Rechenbeispiel
800.000 € Startkapital, 3.000 € monatliche Entnahme, jährlich um 2 % erhöht, um die Kaufkraft zu erhalten: Ohne Störung reicht das Vermögen rechnerisch rund 40 Jahre. Trifft ein schwerer Markteinbruch gleich im ersten Entnahmejahr, sinkt die Reichweite auf etwa 17 Jahre. Derselbe Einbruch nach 15 störungsfrei verlaufenen Jahren kostet dagegen nur einen Bruchteil davon — rund 26 statt 40 Jahre.
Was sich daraus ableiten lässt
Dieses Risiko lässt sich nicht wegdiversifizieren, aber abfedern: Ein Liquiditätspuffer, aus dem die ersten ein bis zwei schwierigen Jahre bedient werden können, verhindert genau den Mechanismus, der das Risiko auslöst — den erzwungenen Verkauf von Anteilen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wer kurz vor oder in der Entnahmephase steht, sollte diesen Puffer deshalb nicht als „ungenutztes Kapital“ betrachten, sondern als gezielte Versicherung gegen das teuerste Risiko dieser Lebensphase.
Dieser Beitrag ist allgemeine Bildung, keine Anlageberatung im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Empfehlung für ein konkretes Wertpapier. Er ersetzt keine individuelle Beratung.
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